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Neuigkeiten

Pressartikel in der Sächsischen Zeitung vom 23.1.2019

01.02.2019

23.01.2019 12:20 Uhr

Berufswunsch: Freude machen

Zwei Stunden Spaß in der Woche: In der Schwimmhalle in Bühlau macht Luis Lay aus Bernhard Ludwig noch einen Wasserballer. Fotos: © Christian Juppe

Der Bedarf an Seniorenbegleitern wächst auch in Dresden immer mehr. Erweckende Momente mit Janine Trobisch und Luis Lay.

Von Henry Berndt 5 Min. Lesedauer

Hopp, hopp, hopp. Fangen fällt ihm schwer, aber werfen kann er noch ganz ordentlich. Das Spielen mit dem Ball im Kinderbecken macht Bernhard Ludwig* Spaß, glaubt man zu erkennen. Ab und zu lächelt der 73-Jährige dabei sogar ein wenig. Der Dresdner ist schwer dement und kann seinen Alltag nicht mehr allein bestreiten. Daheim ist seine Ehefrau rund um die Uhr für ihn da. Damit auch sie mal für zwei Stunden durchatmen kann, hat sie sich an Luis Lay gewandt, einen selbstständigen Seniorenbegleiter.

Seit mehr als einem Jahr geht Luis Lay nun einmal in der Woche mit ihrem Mann in die Schwimmhalle in Bühlau. Er holt ihn zu Hause ab, hilft beim An- und Ausziehen und bringt ihn in Bewegung. „Es ist immer wieder unglaublich, zu sehen, wie er in dieser Zeit aufblüht“, sagt Lay. „Da sieht man mal, was das Element Wasser erreichen kann.“ Ausgelassen und konzentriert jagt Bernhard Ludwig dem Ball nach. Anschließend werden die beiden noch ins Café gehen. Wie jede Woche. Und der 73-Jährige wird Eierkuchen mit Apfelmus essen. Wie jede Woche. „Wenn er Dinge wiedererkennt, entspannen sich seine Gesichtszüge“, sagt Luis Lay. „Diese Routinen spielen eine große Rolle.“ Zwei Stunden später wird Ludwig beim Zurückbringen seine Ehefrau an der Wohnungstür nach ihrem Namen fragen.

Ortswechsel. Im Seniorenheim Domizil am Zoo versucht Walter Buhrig gerade, mit einem Pinsel eine hölzerne Glocke zu bemalen. Janine Trobisch hat sie ihm aus dem Erzgebirge mitgebracht. Schon nach wenigen Strichen sind seine Finger blau, aber darüber können die beiden lachen. Vor zwei Jahren hat Buhrigs Tochter die Seniorenbegleiterin für ihren Vater ausgesucht. Seitdem besucht Janine Trobisch ihn jede Woche, malt und bastelt mit ihm oder liest englische Texte. All das, was er schon früher gern gemacht hat.

Als sie heute Morgen zu ihm kam, hatte der 94-Jährige noch keine Lust oder Kraft, um aufzustehen. Beim zweiten Versuch mittags ist er dann aber bereit. Im Aufenthaltsraum machen die beiden es sich am Tisch gemütlich. „Der Pinsel müsste größer sein“, sagt Buhrig. „Dann geht’s schneller.“ Dabei würde er wohl lieber die Zeit anhalten. So nette Unterhaltung hat er selten. Und sein Zimmernachbar im Heim hat immer so laut den Fernseher laufen.

Vom Opernstar zum Begleiter

Hier, im Domizil am Zoo, hat Janine Trobisch gleich mehrere Kunden. „Einige sind richtig vorbereitet und sagen mir: ‚Heute wollen wir auf die Prager Straße gehen‘. Andere freuen sich über meine Ideen oder wollen einfach nur ein bisschen reden.“

Gemalt hat Walter Buhrig schon immer gern. Die Seniorenbegleiterin Janine Trobisch erinnert den 94-Jährigen gern daran, was er alles kann. © Christian Juppe

Natürlich spiele das Thema Demenz eine große Rolle, „aber wenn man sich mit diesen Menschen eingehend beschäftigt, dann ist vieles noch da“. Erst kürzlich habe eine Frau, die fünf Jahre geschwiegen habe, ihre Worte wiedergefunden. „Immer mehr Ältere haben Kinder, die weit weg wohnen, oder Angehörige, die selbst schon alt sind“, sagt die 40-Jährige. „Der Bedarf an Seniorenbegleitung wächst rasant.“ Auch deshalb hat sich die studierte Freizeitwissenschaftlerin für diesen Beruf entschieden.

Für Luis Lay hätte der berufliche Schritt zum Seniorenbegleiter kaum größer sein können. Es ist noch nicht allzu lange her, da war der 49-Jährige ein gefeierter Opernsänger, ein Solist an der Staatsoperette und in anderen Häusern im ganzen Land. Er führte ein Leben im Scheinwerferlicht. Zeitweise war er zudem als Barack-Obama-Double gefragt.

Als die Zeiten im Musikgeschäft immer härter und die Verträge immer schlechter wurden, wagte er einen klaren Schnitt. Vor zwei Jahren machte er sich unter dem Namen „Lebensfreunde“ als zertifizierter Seniorenbegleiter selbstständig und kümmert sich nun jeden Tag um demenzkranke und behinderte Menschen, denen er ein paar Stunden Abwechslung in ihrem oft tristen Alltag bieten will. Einige seiner Leistungen bezahlt die Kasse, andere werden privat abgerechnet.

Häufig sind es die Kinder oder Enkel, die Lay beauftragen, mit ihrem Vater oder ihrer Oma spazieren zu gehen, mit ihnen Kreuzworträtsel zu machen oder sie zum Arzt zu begleiten. Besonders gern begeistert Lay seine Kunden für die Kultur, geht mit ihnen ins Museum oder in die Staatsoperette. Dort, wo er früher selbst auf der Bühne stand, will er heute anderen ein paar schöne Stunden bereiten.

Herzenssache statt Handwerk

Seine Hilfe ist inzwischen so gefragt, dass er allein nicht mehr allen Anfragen nachkommen kann. Gemeinsam mit Janine Trobisch hat er deshalb das Seniorenportal Dresden gegründet. „Das kann man sich wie eine Künstleragentur vorstellen“ sagt er. Nur, dass hier keine Künstler, sondern Seniorenbegleiter vermittelt werden. Regional, persönlich, und ausgewählt nach speziellen Fähigkeiten oder Vorlieben. Wer sich als Begleiter bewerben will, der braucht ein Auto, vor allem aber eine Qualifikation. „Wir wollen nicht sofort 100 Leute in unserer Kartei, sondern achten genau darauf, wer gut mit Menschen umgehen kann“, sagt Janine Trobisch. Seniorenbegleitung sei kein Handwerk, sondern eine Herzenssache. Viele Kunden begleite man buchstäblich bis zum letzten Tag. „Da muss man manchmal sogar aufpassen, dass die emotionale Bindung nicht zu weit geht“, sagt Luis Lay. Denn auch Beerdigungen gehören manchmal dazu.

www.seniorenportal-dresden.de

*Namen von der Redaktion geändert

 

Zwei Stunden Spaß in der Woche: In der Schwimmhalle in Bühlau macht Luis Lay aus Bernhard Ludwig noch einen Wasserballer. Fotos: © Christian Juppe

Der Bedarf an Seniorenbegleitern wächst auch in Dresden immer mehr. Erweckende Momente mit Janine Trobisch und Luis Lay.

Von Henry Berndt 5 Min. Lesedauer

Hopp, hopp, hopp. Fangen fällt ihm schwer, aber werfen kann er noch ganz ordentlich. Das Spielen mit dem Ball im Kinderbecken macht Bernhard Ludwig* Spaß, glaubt man zu erkennen. Ab und zu lächelt der 73-Jährige dabei sogar ein wenig. Der Dresdner ist schwer dement und kann seinen Alltag nicht mehr allein bestreiten. Daheim ist seine Ehefrau rund um die Uhr für ihn da. Damit auch sie mal für zwei Stunden durchatmen kann, hat sie sich an Luis Lay gewandt, einen selbstständigen Seniorenbegleiter.

Seit mehr als einem Jahr geht Luis Lay nun einmal in der Woche mit ihrem Mann in die Schwimmhalle in Bühlau. Er holt ihn zu Hause ab, hilft beim An- und Ausziehen und bringt ihn in Bewegung. „Es ist immer wieder unglaublich, zu sehen, wie er in dieser Zeit aufblüht“, sagt Lay. „Da sieht man mal, was das Element Wasser erreichen kann.“ Ausgelassen und konzentriert jagt Bernhard Ludwig dem Ball nach. Anschließend werden die beiden noch ins Café gehen. Wie jede Woche. Und der 73-Jährige wird Eierkuchen mit Apfelmus essen. Wie jede Woche. „Wenn er Dinge wiedererkennt, entspannen sich seine Gesichtszüge“, sagt Luis Lay. „Diese Routinen spielen eine große Rolle.“ Zwei Stunden später wird Ludwig beim Zurückbringen seine Ehefrau an der Wohnungstür nach ihrem Namen fragen.

Ortswechsel. Im Seniorenheim Domizil am Zoo versucht Walter Buhrig gerade, mit einem Pinsel eine hölzerne Glocke zu bemalen. Janine Trobisch hat sie ihm aus dem Erzgebirge mitgebracht. Schon nach wenigen Strichen sind seine Finger blau, aber darüber können die beiden lachen. Vor zwei Jahren hat Buhrigs Tochter die Seniorenbegleiterin für ihren Vater ausgesucht. Seitdem besucht Janine Trobisch ihn jede Woche, malt und bastelt mit ihm oder liest englische Texte. All das, was er schon früher gern gemacht hat.

Als sie heute Morgen zu ihm kam, hatte der 94-Jährige noch keine Lust oder Kraft, um aufzustehen. Beim zweiten Versuch mittags ist er dann aber bereit. Im Aufenthaltsraum machen die beiden es sich am Tisch gemütlich. „Der Pinsel müsste größer sein“, sagt Buhrig. „Dann geht’s schneller.“ Dabei würde er wohl lieber die Zeit anhalten. So nette Unterhaltung hat er selten. Und sein Zimmernachbar im Heim hat immer so laut den Fernseher laufen.

Vom Opernstar zum Begleiter

Hier, im Domizil am Zoo, hat Janine Trobisch gleich mehrere Kunden. „Einige sind richtig vorbereitet und sagen mir: ‚Heute wollen wir auf die Prager Straße gehen‘. Andere freuen sich über meine Ideen oder wollen einfach nur ein bisschen reden.“

Gemalt hat Walter Buhrig schon immer gern. Die Seniorenbegleiterin Janine Trobisch erinnert den 94-Jährigen gern daran, was er alles kann. © Christian Juppe

Natürlich spiele das Thema Demenz eine große Rolle, „aber wenn man sich mit diesen Menschen eingehend beschäftigt, dann ist vieles noch da“. Erst kürzlich habe eine Frau, die fünf Jahre geschwiegen habe, ihre Worte wiedergefunden. „Immer mehr Ältere haben Kinder, die weit weg wohnen, oder Angehörige, die selbst schon alt sind“, sagt die 40-Jährige. „Der Bedarf an Seniorenbegleitung wächst rasant.“ Auch deshalb hat sich die studierte Freizeitwissenschaftlerin für diesen Beruf entschieden.

Für Luis Lay hätte der berufliche Schritt zum Seniorenbegleiter kaum größer sein können. Es ist noch nicht allzu lange her, da war der 49-Jährige ein gefeierter Opernsänger, ein Solist an der Staatsoperette und in anderen Häusern im ganzen Land. Er führte ein Leben im Scheinwerferlicht. Zeitweise war er zudem als Barack-Obama-Double gefragt.

Als die Zeiten im Musikgeschäft immer härter und die Verträge immer schlechter wurden, wagte er einen klaren Schnitt. Vor zwei Jahren machte er sich unter dem Namen „Lebensfreunde“ als zertifizierter Seniorenbegleiter selbstständig und kümmert sich nun jeden Tag um demenzkranke und behinderte Menschen, denen er ein paar Stunden Abwechslung in ihrem oft tristen Alltag bieten will. Einige seiner Leistungen bezahlt die Kasse, andere werden privat abgerechnet.

Häufig sind es die Kinder oder Enkel, die Lay beauftragen, mit ihrem Vater oder ihrer Oma spazieren zu gehen, mit ihnen Kreuzworträtsel zu machen oder sie zum Arzt zu begleiten. Besonders gern begeistert Lay seine Kunden für die Kultur, geht mit ihnen ins Museum oder in die Staatsoperette. Dort, wo er früher selbst auf der Bühne stand, will er heute anderen ein paar schöne Stunden bereiten.

Herzenssache statt Handwerk

Seine Hilfe ist inzwischen so gefragt, dass er allein nicht mehr allen Anfragen nachkommen kann. Gemeinsam mit Janine Trobisch hat er deshalb das Seniorenportal Dresden gegründet. „Das kann man sich wie eine Künstleragentur vorstellen“ sagt er. Nur, dass hier keine Künstler, sondern Seniorenbegleiter vermittelt werden. Regional, persönlich, und ausgewählt nach speziellen Fähigkeiten oder Vorlieben. Wer sich als Begleiter bewerben will, der braucht ein Auto, vor allem aber eine Qualifikation. „Wir wollen nicht sofort 100 Leute in unserer Kartei, sondern achten genau darauf, wer gut mit Menschen umgehen kann“, sagt Janine Trobisch. Seniorenbegleitung sei kein Handwerk, sondern eine Herzenssache. Viele Kunden begleite man buchstäblich bis zum letzten Tag. „Da muss man manchmal sogar aufpassen, dass die emotionale Bindung nicht zu weit geht“, sagt Luis Lay. Denn auch Beerdigungen gehören manchmal dazu.

www.seniorenportal-dresden.de

*Namen von der Redaktion geändert

 

Seniorenportal-Dresden geht an den Start

20.03.2018

www.seniorenportal-dresden.de ist eine Initiative von Janine Trobisch und Luis Lay zur Vermittlung zertifizierter Dresdner SeniorenbegleiterInnen im Auftrag von Institutionen, gesetzlichen BetreuerInnen und Privatpersonen mit Betreuungsbedarf und deren Angehörigen.

Berichte/Artikel

https www.saechsische.de ein-lied-fuer-das-leben-3813743.html

28.04.2020

08.11.2017 21:00 Uhr

Ein Lied für das Leben

Er war Opernsolist auf großen Bühnen und spielte Obamas Doppelgänger. Jetzt kümmert sich Luis Lay um Senioren.

Von Henry Berndt

Dresden. Die Haare, die Nase, das Kinn. Nein, also einen guten Donald Trump gibt er einfach nicht ab. Damit ist die Double-Karriere von Luis Lay beendet. Jahrelang reiste der 48-Jährige als Double von Trumps Vorgänger Barack Obama durch das Land, saß im Sat.1-Frühstücksfernsehen, trat in Hannover auf der Messe in Erscheinung und hatte Auftritte als „Swinging Obama“. Reden konnte der gebürtige Dresdner zwar nie wie der frühere US-Präsident, aber eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen. Eine Künstleragentur war daher 2008 auf ihn aufmerksam geworden – und diesen Ball nahm er dankbar auf.

Damals war Luis Lay ja noch ein Künstler. Ursprünglich wollte er Tänzer werden, blieb jedoch als junger Mann nur ein Jahr an der Palucca-Schule. Stattdessen wechselte er später an die Musikhochschule nach Leipzig. Während des Studiums wurde er ans Theater abgeworben, stieg zum gefeierten Solisten an der Staatsoperette auf und spielte in anderen Häusern im ganzen Land. Zu seinen Paraderollen auf der Opernbühne gehörten der Wenzel in „Die verkaufte Braut“ und die Knusperhexe in „Hänsel und Gretel.“ Im Musical gab er unter anderem den Alex in „Aspects of Love“ und Cosmo Brown in „Singin‘ in the Rain“.

Es war ein Leben voller Glitzer, Schminke und Applaus. Von Dresden ging es nach Krefeld, Coburg und Trier. Doch als er hier vor zwei Jahren zusammen mit einem ganzen Ensemble vor die Tür gesetzt wurde, kam er ins Grübeln. „Die Arbeit war toll, doch die Verträge waren schrecklich“, erinnert er sich. Jahr für Jahr musste er zittern. „Das war ein ständiger Schleudersitz.“ Dazu kam die Leistungsdichte in seiner Branche. „Ständig kamen massenhaft junge Solisten nach, mit denen ich nicht mehr mithalten konnte.“ Als Chorsänger wiederum waren seine Entertainerfähigkeiten kaum gefragt. Auch in der Verwaltung von Kultureinrichtungen fand er keinen Platz. „Ich wollte mich nicht irgendwann nur noch durch die Altersheime singen“, sagt er. „Deshalb musste ein klarer Schnitt her.“

Wenn Luis Lay heute abends in die Staatsoperette geht, dann führt ihn sein Weg nicht mehr auf die Bühne, sondern auf einen der Stühle davor. Neben ihm nimmt dann oft ein älterer Herr oder eine ältere Dame Platz, die sich an seiner Gesellschaft erfreuen. Luis Lay arbeitet jetzt als Seniorenbegleiter. Nur Kunst und Kultur, der er sich gemeinsam mit seinen Kunden widmet, sind ihm als Brücke zu seinem früheren Leben geblieben.

„Für dieses Bekenntnis habe ich eine Weile gebraucht“, sagt Luis Lay. Klar, am Anfang seien da Ängste gewesen. Was gibst du da auf? Was wird dir fehlen? Solltest du alles auf eine neue Karte setzen? „Heute trage ich weder Wehmut noch Frust in mir, sondern bin einfach nur glücklich über meine neue Herausforderung. Die Bühne ist abgehakt.“

Vor einem Jahr gründete Luis Lay sein Unternehmen „Lebensfreunde“. Als zertifizierter Seniorenbetreuer kümmert er sich seitdem um demenzkranke und behinderte Menschen, bietet ihnen ein paar Stunden Abwechslung im Pflegeheim-Alltag. Einige seiner Leistungen bezahlt die Kasse, andere werden privat abgerechnet. Die Wünsche sind vielfältig: Spazieren gehen, zum Arzt begleiten, einkaufen und Gedächtnistraining sind die Klassiker. „Mein Alleinstellungsmerkmal ist aber die Kultur“, sagt Lay.

Regelmäßig organisiert er Besuche in Ausstellungen und im Theater. „Genauso begleite ich Senioren aber auch mal in den Urlaub nach Usedom oder zu einer Schuleinführung bei Verwandten in Berlin.“ Nur Waschen und Pflegen gehört nicht zum Angebot. Wichtig sei ihm, dass er jedem Menschen auf Augenhöhe gegegnet. „Bei mir gibt es keine Kindersprache und auch kein ‚Nu Opa, wie geht’s?‘“. Man sollte auch hilfsbedürftigen Menschen nicht sofort jedes Taschentuch aufheben. „Was allein geht, wird allein gemacht.“

Für seine Arbeit sieht Luis Lay einen boomenden Zukunftsmarkt. „Der Bedarf wächst ständig“, sagt er. Jede Woche bekomme er neue Anfragen. Am Anfang sei er deshalb auch ein wenig blauäugig „drauflosgaloppiert“ und habe zu schnell zu viel gewollt. Inzwischen gönne er sich zwei freie Tage in der Woche, die er in seiner neuen alten Heimat Dresden-Plauen mit Freunden und Familie verbringe oder mit Hund Max im Bienertpark.

Dort bekommt er auch mal den Kopf frei, wenn es sein muss. „Früher habe ich mir gesagt: Was ist das für ein toller Beruf, den ganzen Arbeitstag von schöner Musik umgeben zu sein“, sinniert er. „Heute bin ich vom echten Leben umgeben und das ist wieder ein ganz neues Geschenk.“ Lange sei er selbst eine Ware gewesen, die er verkaufte, „aber jetzt bin ich kein Schauspieler mehr. Auch die tollste Aufführung ist am Ende nur ein Spiel. Das hier bin jetzt ich selbst.“

So ganz losgekommen von der Musik ist Luis Lay trotzdem noch nicht. Manchmal erwischt er sich dabei, wie er ganz nebenbei probiert, ob seine Stimme auch sitzt. Und im Extrachor der Sächsischen Staatsoper wurde er auch schon gesichtet.

https www.saechsische.de plus berufswunsch-freude-machen-5026604.html

28.04.2020

23.01.2019 12:20 Uhr

Berufswunsch: Freude machen

von Henry Berndt

Der Bedarf an Seniorenbegleitern wächst auch in Dresden immer mehr. Erweckende Momente mit Janine Trobisch und Luis Lay.

Hopp, hopp, hopp. Fangen fällt ihm schwer, aber werfen kann er noch ganz ordentlich. Das Spielen mit dem Ball im Kinderbecken macht Bernhard Ludwig* Spaß, glaubt man zu erkennen. Ab und zu lächelt der 73-Jährige dabei sogar ein wenig. Der Dresdner ist schwer dement und kann seinen Alltag nicht mehr allein bestreiten. Daheim ist seine Ehefrau rund um die Uhr für ihn da. Damit auch sie mal für zwei Stunden durchatmen kann, hat sie sich an Luis Lay gewandt, einen selbstständigen Seniorenbegleiter.

Seit mehr als einem Jahr geht Luis Lay nun einmal in der Woche mit ihrem Mann in die Schwimmhalle in Bühlau. Er holt ihn zu Hause ab, hilft beim An- und Ausziehen und bringt ihn in Bewegung. „Es ist immer wieder unglaublich, zu sehen, wie er in dieser Zeit aufblüht“, sagt Lay. „Da sieht man mal, was das Element Wasser erreichen kann.“ Ausgelassen und konzentriert jagt Bernhard Ludwig dem Ball nach. Anschließend werden die beiden noch ins Café gehen. Wie jede Woche. Und der 73-Jährige wird Eierkuchen mit Apfelmus essen. Wie jede Woche. „Wenn er Dinge wiedererkennt, entspannen sich seine Gesichtszüge“, sagt Luis Lay. „Diese Routinen spielen eine große Rolle.“ Zwei Stunden später wird Ludwig beim Zurückbringen seine Ehefrau an der Wohnungstür nach ihrem Namen fragen.

ich am Tisch gemütlich. „Der Pinsel müsste größer sein“, sagt Buhrig. „Dann geht’s schneller.“ Dabei würde er wohl lieber die Zeit anhalten. So nette Unterhaltung hat er selten. Und sein Zimmernachbar im Heim hat immer so laut den Fernseher laufen.

Vom Opernstar zum Begleiter

Hier, im Domizil am Zoo, hat Janine Trobisch gleich mehrere Kunden. „Einige sind richtig vorbereitet und sagen mir: ‚Heute wollen wir auf die Prager Straße gehen‘. Andere freuen sich über meine Ideen oder wollen einfach nur ein bisschen reden.“

 

Natürlich spiele das Thema Demenz eine große Rolle, „aber wenn man sich mit diesen Menschen eingehend beschäftigt, dann ist vieles noch da“. Erst kürzlich habe eine Frau, die fünf Jahre geschwiegen habe, ihre Worte wieder gefunden. „Immer mehr Ältere haben Kinder, die weit weg wohnen, oder Angehörige, die selbst schon alt sind“, sagt die 40-Jährige. „Der Bedarf an Seniorenbegleitung wächst rasant.“ Auch deshalb hat sich die studierte Freizeitwissenschaftlerin für diesen Beruf entschieden.

Für Luis Lay hätte der berufliche Schritt zum Seniorenbegleiter kaum größer sein können. Es ist noch nicht all zu lange her, da war der 49-Jährige ein gefeierter Opernsänger, ein Solist an der Staatsoperette und in anderen Häusern im ganzen Land. Er führte ein Leben im Scheinwerferlicht. Zeitweise war er zudem als Barack-Obama-Double gefragt.

Als die Zeiten im Musikgeschäft immer härter und die Verträge immer schlechter wurden, wagte er einen klaren Schnitt. Vor zwei Jahren machte er sich unter dem Namen „Lebensfreunde“ als zertifizierter Seniorenbegleiter selbstständig und kümmert sich nun jeden Tag um demenzkranke und behinderte Menschen, denen er ein paar Stunden Abwechslung in ihrem oft tristen Alltag bieten will. Einige seiner Leistungen bezahlt die Kasse, andere werden privat abgerechnet.

Häufig sind es die Kinder oder Enkel, die Lay beauftragen, mit ihrem Vater oder ihrer Oma spazieren zu gehen, mit ihnen Kreuzworträtsel zu machen oder sie zum Arzt zu begleiten. Besonders gern begeistert Lay seine Kunden für die Kultur, geht mit ihnen ins Museum oder in die Staatsoperette. Dort, wo er früher selbst auf der Bühne stand, will er heute anderen ein paar schöne Stunden bereiten.

Herzenssache statt Handwerk

Seine Hilfe ist inzwischen so gefragt, dass er allein nicht mehr allen Anfragen nachkommen kann. Gemeinsam mit Janine Trobisch hat er deshalb das Seniorenportal Dresden gegründet. „Das kann man sich wie eine Künstleragentur vorstellen“ sagt er. Nur, dass hier keine Künstler, sondern Seniorenbegleiter vermittelt werden. Regional, persönlich, und ausgewählt nach speziellen Fähigkeiten oder Vorlieben. Wer sich als Begleiter bewerben will, der braucht ein Auto, vor allem aber eine Qualifikation. „Wir wollen nicht sofort 100 Leute in unserer Kartei, sondern achten genau darauf, wer gut mit Menschen umgehen kann“, sagt Janine Trobisch. Seniorenbegleitung sei kein Handwerk, sondern eine Herzenssache. Viele Kunden begleite man buchstäblich bis zum letzten Tag. „Da muss man manchmal sogar aufpassen, dass die emotionale Bindung nicht zu weit geht“, sagt Luis Lay. Denn auch Beerdigungen gehören manchmal dazu.

www.seniorenportal-dresden.de

*Namen von der Redaktion geändert

Kooperationssuche

Reisebegleitung für Senioren

22.03.2020

NICKELREISEN

 

www.nickelreisen.de ist der Dresdner Reisespezialist für alleinreisende Seniorinnen und Senioren, die gemeinsam mit anderen alleinstehenden Reisenden niveauvoll und vergnüglich unterwegs sein wollen.

 

Lebensfreun.de bietet während der Teilnahme an den Tages- oder Mehrtagesfahrten die persönliche Reisebegleitung und Betreuung von allein reisenden Senioren und Seniorinnen, welche aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen einer persönlichen Unterstützung bedürfen, aber dennoch weiterhin an diesen schönen Reisen teilnehmen möchten. Unsere Seniorenbetreuung ist während dieser Reise ganz allein für Sie persönlich da und an Ihrer Seite.

 

 Während der Reise haben Sie damit eine ganz persönlichen Seniorenbegleiter/Seniorenbegleiterin an Ihrer Seite, welcher Ihnen bei sämtlichen Transfers, Ein- und Ausstiegen, Übergängen mit Rollator oder Rollstuhl, Besichtigungen usw. behilflich ist. Sie können absolut unbeschwert an der Reise teilnehmen.

 

 

Kosten:

 

Wenn Sie über ein Pflegegrad verfügen, entstehen Ihnen für diese ganz persönliche Reisebegleitung keinerlei Kosten. Sie zahlen nur den Reisepreis wie alle anderen TeilnehmerInnen.

 

 Die Abrechnung unserer Seniorenbetreuung Dresden erfolgt direkt mit Ihrer Pflegekasse. Hierzu beraten wir sie gern.

 

 Der Seniorenbegleiter begleitet Sie ab Ihrem Zuhause und bringt Sie auch sicher wieder zurück. Er ist während der Reise ganz allein für Sie da und unterstützt Sie in jeder Situation (Medizinische  Pflegeleistungen ausgenommen).

 

 

Ablauf:

 

Bei Buchung Ihrer Reise/ Tagesfahrt nennen Sie bitte

Herrn Enver Nickel Ihren Wunsch für einen zusätzlichen

Seniorenbegleiter für Ihre Wunschreise. Ihr persönlicher

Seniorenbegleiter/Seniorenbegleiterin meldet sich dann

rechtzeitig vor Reisebeginn, um alles

Organsatorische mit Ihnen zu besprechen.